Comeback

Mein letzter Blog-Beitrag ist ein Jahr her. Ein ganzes Jahr. 12 Monate, 52 Wochen, 365 Tage. Unabhängig davon welche Zeiteinheit ich wähle, bleibt es eine lange Zeitspanne gemessen an der Geschwindigkeit mit der sich die virtuelle Welt dreht. Dennoch war es ein notwendiges Jahr der Auszeit. Ein Jahr, in dem ich keinen Beitrag verfasst habe. Ein Jahr, in dem ich tatsächlich auch nicht fotografiert habe. Ein Jahr, das ich dringend für mein Offline-Leben brauchte und ausschließlich dafür.

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Nun ist das Jahr vorüber und ich habe erledigt, was ich zu erledigen hatte. Das Interesse an meiner Fotografie und an meinem Blog sind fast unbemerkt zurückgekehrt. Seit einigen Wochen fotografiere ich wieder. Zunächst zögerlich und schüchtern, weil es ungewohnt war meine Kamera in die Hand zu nehmen. Sie fühlte sich fremd und schwer an. Sie fühlte sich unwillig und sperrig an. Das zurückliegende Jahr lag sie unbenutzt im Schrank und es schien als nehme sie mir diese Auszeit übel. Wir waren uns fremd geworden und das ließ sie mich spüren. Ich hatte ihr Auslösegeräusch vergessen und der Objektivwechsel dauerte ungewohnt lang. Ich musste bei den Einstellungen überlegen. Es schien mir als fange ich bei Null an.

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Auf dem ersten gemeinsamen Ausflug sah ich durch den Sucher und sah … nichts. Nichts, was es wert wäre den Auslöser zu betätigen. Nichts, was mich begeisterte. Ich lief weiter, die Kamera an meiner Seite, aber ich schaute nicht mehr durch den Sucher. Ich versuchte mein fotografisches Sehen zunächst ohne Kamera wiederzufinden. Ich war es gewöhnt ständig Fotos zu sehen, die es wert waren festgehalten zu werden, aber nun fiel mir diese Angewohnheit schwer.

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Meine erste Tour mit Kamera war also schwierig und unbefriedigend. Ich habe ein paar wenige Fotos gemacht und die gefallen mir noch nicht mal. Die Fotografie war in dem zurückliegenden Jahrzehnt so sehr meine Ausdrucksmöglichkeit geworden, dass ich nicht damit gerechnet hatte jemals diese Option zu verlieren. Fotografieren zu wollen und es nicht zu können. Vielleicht war es wie radfahren? Ich hoffte, es war wie radfahren! Dann hatte ich es nicht wirklich verlernt, sondern benötigte nur etwas mehr Übung und Zutrauen. Zutrauen in mich und Zutrauen in meine Kamera. Sie fühlte sich auf dem zweiten Ausflug etwas weniger ungewohnt in meiner Hand an. Ich wollte fotografieren. Ich fühlte mich noch immer zögerlich und schüchtern im Umgang mit der Kamera, aber ich wollte fotografieren – nicht mehr und nicht weniger. Meine Entfremdung schwand langsam. Und mit Verschwinden der Entfremdung konnte ich auch wieder Motive sehen und wahrnehmen. Beim dritten Ausflug waren die Kamera und ich so vertraut als hätten wir nie die lange Pause einlegt.

Graslilie4Inzwischen sind einige Wochen vergangen und mein Freude am Fotografieren ist zurückgekehrt. Und mit ihr meine Freude am bloggen.

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Wir müssen von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten, bis unsere Seelen uns wieder eingeholt haben.

Indianische Weisheit