Zukunft

Zukunft

Die Zukunft existiert nicht. Die Vergangenheit übrigens auch nicht. Nur die Gegenwart existiert. Meine eigene Zukunft war mir die meiste Zeit meines bisherigen Lebens unklar und diffus. In jeglichen Lebensbereichen hatte ich keinerlei konkrete Vorstellung, was ich machen und wer ich sein wollte. Ich hatte keine konkreten Pläne und Ziele für mein zukünftiges Ich. Fast. Es gibt eine Ausnahme. Ich erinnere mich, dass ich im Alter von ca. 15 Jahren doch einen Wunsch für meine Zukunft hatte. Alles, was ich mir für meine Zukunft damals erträumen konnte, alles was ich damals in meiner Zukunft wollte, war schreiben. Ich wollte Bücher schreiben. Und diese Bücher wollte ich in einem Haus am Meer schreiben. Vom Schreibtisch aus wollte ich auf das Meer blicken. Ich hatte noch einen anderen Traum von meiner Zukunft. Ich wollte mit dem Auto durch die USA fahren, dabei Musik hören und die Freiheit dieses großen Landes spüren.

Obwohl beides meine ureigensten Zukunftswünsche waren, habe ich nie wirklich an deren Erfüllung geglaubt. Ich habe sie als unrealistisch empfunden und keine ernsthaften Bemühungen unternommen, meinen Traum vom Bücher schreiben zu verwirklichen. Meine USA-road-trip-Fantasien habe ich verwirklicht, aber ein Buch habe ich nie geschrieben. Ein Buch schreiben, erfordert unter anderem Ausdauer und Disziplin. Nicht meine Stärken, wenn ich ehrlich bin. Und abgesehen davon, was hatte ich schon zu sagen? Aber vielleicht habe ich auch nur nicht an meinen Traum geglaubt um ernsthafte Bemühungen und Schritte in Richtung Schreiben zu unternehmen.

Also hat sich meine Zukunft, über die ich hier schreibe und die inzwischen auch schon wieder Vergangenheit ist, einfach so ergeben. Gefühlt ziellos bin ich durch mein bisheriges Leben getrudelt. Habe einen Job gefunden, eine Familie aufgebaut und sie kaputt gemacht, habe Freunde gefunden und verloren, habe mich in Dinge verrannt und Dinge getan, die mir nicht gut taten, habe auch Dinge getan und erlebt, die mir gut tun, habe die Fotografie entdeckt und nie wieder vergessen können. Rückblickend erscheint es mir jedoch alles wie ein zielloses Dahintreiben. Ein Umhertrudeln. Wäre es mit einem konkreten Ziel anders gewesen? Vielleicht. Sind konkrete Ziele deshalb wichtig? Nein. Es reicht, wenn man eine Richtung hat in die man gehen möchte. In eine Richtung gehen ist einfacher als ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Eine Richtung ist flexibler und man kann das Ziel nicht verfehlen, weil es keines gibt oder sich das Nicht-Ziel vielleicht ändert. Also braucht man auch keine Angst vor dem Scheitern oder den nächsten Schritten haben. Muss sich nicht überfordert fühlen. Eine Richtung gibt ebenso Wege vor und lässt mich Dinge tun, die mich näher zu meinem Nicht-Ziel bringen, gleichzeitig enthält eine Richtung mehr Möglichkeiten als ein Ziel. Eine Richtung sagt, dies ist (D)ein Weg, wo Du lang gehen kannst, aber falls Du doch lieber diesen Abzweig wählst, weil Dir die Aussicht besser gefällt, spricht nichts dagegen.

Ich persönlich habe noch immer keine konkreten Ziele, aber ich habe eine Richtung für mein Leben gefunden und in diese Richtung lasse ich mich treiben.

Natty

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