Fotografie und Gefühle

Dieser Blog war lange in Quaratäne. Ich war es nicht, aber meine Fotografie schon. Es herrschte fotografische Stille in meinem Leben, weil der Rest vom Leben viel zu laut war. Langsam erhebt die Fotografie erneut ihre Stimme in mir und berührt mein Herz. Zeigt mir, was ich vernachlässigt habe. Ich habe diesen Monat das erste Mal seit gut einem Jahr fotografiert. Tatsächlich waren auf der zweiten SD Karte noch ungesichtete Fotos, deren Entstehungdatum etwas länger als ein Jahr zurück liegt. Wie gut, dass – zumindest meine – Fotos kein Verfallsdatum haben und auch keinem Aktualitätszwang unterliegen. Meine Fotos sind eher Ideen, deren Anblick mich dazu veranlasst, sie digital festzuhalten.

Manchmal, wenn alles außer meinem Fotoleben laut und wild ist, dann wünsche ich mir die Ruhe die Fotografie in mir auslöst und kann sie doch nicht finden. Bin unfähig Fotos zu sehen und noch unfähiger sie tatsächlich auch zu fotografieren. Obwohl ich gerade in solchen Zeiten die Fotografie gern an meiner Seite hätte, brauche ich einen freien Kopf um fotografieren zu können. Manchmal also, wenn alles außer meinem Fotoleben laut und wild ist, dann wünsche ich mir nichts fühlen zu müssen und fotografieren zu können. Natürlich geht das nicht, das mit dem „nichts fühlen können“ und ein Leben ohne Gefühle wäre weder sonderlich lebens- noch erstrebenswert. Dennoch ist da dieser klitzekleine Teil in mir, der sich manchmal wünscht, nichts zu fühlen. Jedenfalls nichts intensives. Eher so ein ruhiges, gemütliches Bächlein aus sanft daher plätschernden Gefühlen. Ich empfinde eher Sturzfluten an Gefühlen, kann sie aber sehr gut für mich behalten.

Als ich nun diesen Monat endlich wieder bereit war zu fotografieren und zu sehen, wurde mir bewusst, dass die Fotografie, die einzige Tätigkeit ist, die mich alles vergessen lässt. Nicht wirklich vergessen, aber durch die Fotografie ist meine Wahrnehmung so gelenkt und mühelos konzentriert, dass nichts außer der Blick durch die Kamera eine Rolle spielt. Meine Umgebung, mein Körper, mein Befinden, meine Gefühle – all das tritt in den Hintergrund und schweigt. Erst nach dem Fotografieren kann ich meinen Körper wieder wahrnehmen und werde mir seiner bewusst. Aber am interessantesten ist es jedes Mal aus dem Fotografieren wieder in die Umgebung einzutauchen. Lärm und Geräusche wahrzunehmen. Ich erinnere mich noch als ich eine zeitlang viel am Hauptbahnhof fotografiert habe, wie dieser reizüberflutende Ort zu einem leisen, kaum wahrnehmbaren Surren in meinem Hinterkopf verschwand jedes Mal, wenn ich die Kamera ans Auge hob. Vielleicht kommt mir das auch nur so vor in meiner Erinnerung, aber ich bin tatsächlich sehr fokussiert beim Fotografieren.

In die heutigen Fotos habe ich mich gleich verliebt. War schwer eine Auswahl zu treffen. Das Abendlicht an diesem Tag erschien mir erst ein wenig enttäuschend, weil es doch ziemlich wolkig war und sich der Himmel zuzog. Aber das Ergebnis auf den Fotos ist viel interessanter als wenn ein wolkenloser Himmel gewesen wäre. Denke ich, den Ort kannte ich ja vorher gar nicht, daher kann ich nur spekulieren. Der schmale Streifen Abendsonne verleiht meinen Fotos genau das, was sie gebraucht haben. Aber das wurde mir erst beim Fotografieren klar und tatsächlich bestätigt, hat es sich dann als ich die Fotos gestern am PC entwickelt habe. Aber auch mit klarem Himmel hätte mich der Ort zu Fotos inspiriert. Fast hätte ich allerdings gar nicht fotografiert, weil ich nur langsam die Freude an der Fotografie und Kreativität wieder finde. Wie gut, dass ich es dennoch mal wieder versucht habe … die Sache mit der Fotografie.

5 Gedanken zu „Fotografie und Gefühle

  1. Es ist schön, wieder von Dir zu lesen und zu sehen. Und es ist schön, dass Du das Fotografieren wiedergefunden hast und Dich darin.

    Möge es Dir genau so erhalten bleiben, Dich begleiten, Dir Insel sein, die Du immer besuchen und bewohnen kannst, besonders dann, wenn alles andere zu laut ist.

    Viele freundliche und liebe Grüße! 🙂🌼

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    1. Lieben Dank, sternflüsterer. Danke für Deine Worte. ☺️ Ich habe die vergangenen Wochen auch bei Dir gelesen, wollte Dir dann auch Worte dalassen und habe keine gefunden. 😔 Deshalb bin ich sehr dankbar für Deine Worte.
      Ich wünsche mir sehr, dass die Fotografie nun bleibt und wieder ein fester Bestandteil wird. Sie ist zu wichtig für mich.
      Ich sende Dir ebenfalls freundliche und liebe Grüße in die Nacht ✨

      Gefällt 1 Person

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