leidige Schmerzen?

Im Allgmeinen werden Schmerzen als negativ empfunden. Als störend, als unangenehm, als lästig, als etwas, das nicht da sein sollte und daher besser betäubt und erstickt wird. Es sei mal dahin gestellt, ob es körperliche oder seelische Schmerzen sind. Die meisten von uns möchten sich am liebsten dem Schmerz entziehen – so schnell und so einfach wie möglich. Zumindest empfinde ich oft so.

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Aber das ist meistens gar nicht möglich und auch nicht hilfreich. Schmerzen sind Signale und Signale sollte man genauso beachten, wie die rote Ampel an einem Bahnübergang. Allerdings geht es mir nicht um die Schmerzen und ihre Funktion an sich, sondern darum, welche Bedeutung ich ihnen oft beimesse. So lange ich sie negiere und weghaben will, sind sie stark und scheinbar unerträglich.

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Aber sind Schmerzen immer negativ? Kann ich nicht meine Sichtweise ändern und sie als essentiell und einen absolut notwendigen Entstehungs- oder Entwicklungsprozess ansehen? Eine Wunde kann ohne Schmerz nicht verheilen. Der Schmerz ist notwendig, damit der Körper regenerieren kann. Ebenso seelische Schmerzen, die wohl mehr als Trauer oder Leid empfunden werden, lassen sich nicht vermeiden. Erst wenn sie durchgestanden sind, kann es weiter gehen. Ich finde das folgende Zitat sehr treffend in diesem Zusammenhang.

„Niemand kann den Morgen erreichen, ohne den Weg der Nacht zu durchschreiten.“

(Khalil Gibran)

Schmerz ist unvermeidbar. Er ist mal mehr und mal weniger da, aber immer Teil des Lebens. Wenn ich dies verstehe, kann ich mein Empfinden, meine Sichtweise ihm gegenüber ändern und damit verändere ich mein Schmerzempfinden. Wenn der Schmerz dann vorrüber ist, ist es etwas Neues da, etwas, das ohne diesen Schmerz nicht hätte entstehen können. Im Idealfall ist das entstanden, was fehlte und durch den Schmerz verdeutlicht wurde. Sei es der wieder zusammengewachsene Knochen, die neue Haut über der Schürfwunde, das geheilte Herz nach einer unglücklichen Liebe oder die Veränderung des eigenen Lebens nach der leidigen Erkenntnis, dass etwas entgegen den eigenen Wünschen oder Vorstellungen läuft. Schmerz ist nicht nur unvermeidbar, sondern auch wichtig.

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Ich streite nicht ab, dass Schmerzen jeglicher Art unangenehm sind, aber letzten Endes kommt es immer auf die Bedeutung an, die wir dem Schmerz verleihen. Und diese Bedeutung ist individuell. Für mich ist Schmerz ein Entstehungs- und/oder Entwicklungsprozess. Für mich ist Schmerz Kraft.  Und mit dieser Erkenntnis kommt eine Art Akzeptanz und Annahme. Der Schmerz wird leichter. Leichter zu ertragen und leichter durchzustehen. Bis der Morgen dann da ist.

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8 Kommentare zu „leidige Schmerzen?

  1. Ja, unbedingt ja. Ach und diese fantastischen Fotos!!!

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  2. ich weiß genau was du meinst, aber ich finde, in der akut situation ist das enorm schwierig. oftmals hat man auch das gefühl, schmerzen nicht vollends begreifen zu können, man hat das gefühl, eh schon soviel dafür/damit/dagegen zu tun, man ist hilflos und weiß nicht, wie man weiterleben soll. im nachhinein betrachtet hatten sie immer ihre gründe und ohne sie hätte man entwicklungen nicht durchgemacht oder durchmachen können. aber währenddessen ist diese distanzierte und wohlwollende betrachtung wirklich eine königsdisziplin…

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    1. Ich gebe Dir total recht, Paleica. Diesen Beitrag habe ich frei von Schmerzen geschrieben. Wenn ich akut unter Schmerzen leide, dann vergesse ich diese Gedanken leider sehr schnell und will nur, dass der Schmerz aufhört. Ich versuche einfach jedes Mal meinem Ideal ein wenig näher zu kommen. Aber ja, es ist mühsam und die Abkürzungen sind viel zu verlockend.

      Gruß, Annett

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      1. man kann ja ohnehin immer nur sein bestes geben und versuchen, aus jedem mal wieder zu lernen!

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  3. Oh, interessantes Thema (hatte ich gerade letztes Jahr genug davon u musste mich auch irgendwie arrangieren… eine so „friedliche“ Einstellung wie du sie hier beschreibst, dazu bin ich leider nicht gelangt;-)…), tolle Fotos, die sensationell gut passen und ein sehr schönes neues Blog-Theme!!

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    1. Danke Dir. 😀

      Naja, ich gestehe, diesen Beitrag habe ich frei von Schmerzen verfasst. Wenn ich akut unter Schmerzen – körperlich oder seelisch – leide, bin ich leider bei weitem noch nicht so distanziert und „gelassen“. Auch ich wünsche mir dann, dass sie am liebsten einfach nur wieder verschwinden und ich meine Ruhe habe. Aber ich versuche immer öfter, Schmerz als Entwicklungsprozess und wichtigen Schritt anzusehen und ganz allmählich wird es leichter.

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