abseits

Mitunter gibt es Tage, da fühle ich mich ins Abseits gedrängt. Raus aus meinem Leben und in eine Warteposition verbannt. Dazu bestimmt zuzuschauen und unfähig eine vernünftige Handlungsentscheidung zu treffen. Wie ein Flugzeug in der Warteschleife den Flughafen umkreisend, aber nicht in der Lage zu landen. Diese Tage fühlen sich verschwendet und ungelebt an. Dieser Abseitsstrudel ist gar nicht so leicht zu durchbrechen. Am einfachsten gelingt mir dies, indem ich gar nicht erst versuche den verlorenen Faden aufzunehmen, sondern ganz bewußt etwas anderes mache. Meistens ist es fotografieren. Dabei entstehen Fotos, deren einziger Zweck darin besteht, eine ungute Routine zu durchbrechen. Das funktioniert meistens und auch wenn die Fotos nicht zeigenswert sind, sind es doch wichtige Fotos für mich.

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Aber es gibt auch die Tage an denen ich mich in einer Abseitsposition fühle und dann nicht zur Kamera greife, weil ich weiß, dass es mir die gewünschte Ablenkung bringt, sondern weil ich unbedingt fotografieren muss. Weil es das einzige ist, was Sinn ergibt. Dann fotografiere ich ohne genaue Vorstellung und lasse mich treiben – von meinem Bauch und meinem Gefühl. Es entstehen Fotos von denen ich selbst überrascht bin. Sie sehen auf den ersten Blick unscheinbar aus. Erst beim zweiten Blick gewinnen sie an Kontur und ich finde Gefallen an den leisen und unauffälligen Fotos, die entstanden sind. Ganz anders als geplant, aber genauso wichtig und wertvoll wie andere Fotos.

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Und dann erkenne ich, dass eine Warteposition im Abseits mitunter auch nützlich sein kann. Manchmal brauche ich die Stille und Ruhe des Abseits. Das Verharren und Zaudern. Unser modernes Leben ist wild, bunt und voll. Von allem gibt es viel zu viel. Da kann man schon mal leicht vom Weg abkommen und sich verirren. Etwas Zeit abseits kann da helfen wieder zurück zum eigentlichen zu finden. Es kann helfen, den Blick neu zu fokussieren.

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Entscheidend ist nur, nicht zu lange im Abseits zu verweilen. Früher oder später muss man die Warteposition aufgeben –  mit neuer Energie und unverbrauchtem Blick auf altbekannte Dinge.

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Annett

7 Kommentare zu „abseits

  1. „Wer sich alle Türen offen hält, wird sein Leben auf dem Flur verbringen“ – passt nicht ganz, ist aber doch ein bisschen auf die allgemeine warteposition umzumünzen, finde ich. ich verstehe sehr sehr gut was du meinst. ich habe viel zeit in meinem leben in dieser warteposition verbracht und damit viel zeit verschwendet, sodass ich irgendwie darauf allergisch geworden bin, obwohl ich mich jetzt manchmal danach sehne.
    die bilder finde ich toll, sie tragen etwas in sich, eine art fragezeichen, eine hoffnung. sehr schön!

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    1. Vielen Dank, Paleica. Auch und gerade für das Zitat – das finde ich sehr schön.

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  2. mir gefällt das letzte ganz besonders !!!!!

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  3. Ja, das Thema „Warten“;-)… Du beschreibst hier wunderbar, wie gewinnbringend doch eine „Warteposition“ sein kann… kein Zeit“verlust“… und die Fotoergebnisse sollten das einmal mehr unterstreichen! Also: Mut zum Warten;-)…

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  4. Hach ja, solche Tage nerven einfach… gerade da ich selbst auch nicht sonderlich geduldig bin. Da passt dann so gar nicht gut zusammen. 😉

    Gerade das Licht hier wirkt total magisch! Das passt gut zur Doppelbelichtung. Echt schöne Fotos!

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